Ludwigs Abenteuer – Folge 54

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Vier Tage nach meiner Abreise von Verena und Igor Mortis bin ich bei Karin und Robert (die keine Twitterer sind!) in Maria-Ellend in Österreich angekommen. Maria-Ellend ist ein Dorf exakt auf halber Strecke (jeweils ca. 30 Kilometer) zwischen Wien und Bratislava – übrigens die beiden am nächsten zueinander liegenden Hauptstädte der EU.
Ich hatte eigentlich erwartet, dass mein Reisekistchen mit mir bei Karin und Robert nur für ein paar Tage zwischengelagert wird. Denn eingeladen wurde ich ja ursprünglich ein zweites Mal zu Michael und Michaela nach Wien (mein erster Aufenthalt dort siehe Abenteuer Folge 31). Da die beiden aber noch im Urlaub waren, musste ich irgendwo anders anreisen. Und da war es naheliegend, das bei Karin und Robert zu machen, denn die haben auch Winston und Monty (die Hunde von Michael) ein Urlaubsquartier gegeben. Ich war also sehr angenehm überrascht als sich das Reisekistchen öffnete und mir gesagt wurde, dass ich auch in Maria-Ellend ein paar Abenteuer erleben darf.
Weil Maria-Ellend am Südufer der Donau liegt, gab es zum Mittagessen und quasi als Begrüßungsmahl natürlich Fisch – und zwar gegrillt. Jedoch keinen heimischen Fisch aus der Donau sondern eine Goldbrasse. Aber das war ja nicht schlimm.
Abends kam dann noch der Herbert vorbei. Herbert ist ein echter Kommunist, der 7 Jahre hauptberuflich für die Kommunistische Partei Österreichs gearbeitet hat. Und weil Kommunisten – also echte – mittlerweise so selten sind, gibt’s auch ein Foto von uns beiden. Herbert war übrigens ganz begeistert, dass mein Reisepass so schön rot ist. Diese Farbe scheint im besonders gut zu gefallen.

Den nächsten Tag habe ich zu allererst für eine ausgiebige Gartenbesichtigung genutzt. Es gab unter anderem ein Insektenhotel und die bevorstehende Apfelernte zu bestaunen. Danach sind Karin und ich mit dem Rad in die Au gefahren. Die ist hier geschützt weil sie Teil des Nationalparks Donauauen ist. Hier gibt es Schildkröten, Baumriesen, Lianen und noch viel mehr. Ein echter Dschungel.
Karin besitzt ein sogenanntes Zille; ein langes, schmales Holzboot, das speziell für die engen, verschlungenen Seitenarme der Donau gebaut ist. Man rudert es auf nur einer Seite und muss daher bei jedem Ruderschlag gegensteuern. Als ich mich ins Boot gesetzt habe, sind rund um mich gleich ganz viele Frösche vom Ufer ins Wasser gesprungen. Mit Frosch bin ich aber auf keinem Foto drauf; denn ich wäre wohl ziemlich nass geworden, wenn ich ihnen hinterher geschwommen wäre.
Nachdem ich mich mit einer Au-Brombeere – die sind schwarz noch unreif und erst hellblau reif – gestärkt habe (leider kein Fleisch, aber die Beere war mir dann doch lieber als ein Frosch) sind wir über eine Traverse raus zur Donau gefahren.
Ja, die Donau. Das ist der zweitlängste und -größte Fluss Europas und hier kurz vor der Grenze zur Slowakei schon recht breit. Ein richtiger Strom mit vielen Schiffen. Am Ufer standen lauter Fischerhütten und davor waren große Netzte über das Wasser gespannt. Das sind die Daubeln. Darum heißen die Fischer hier auch Daubelfischer. Ich habe es natürlich auch gleich ausprobiert und per Kurbel das Netz abgesenkt. Hatte aber keine Geduld, dann noch stundenlang zu warten, ob sich ein Fisch da rein verirrt.
Stattdessen haben wir Biberspuren an Bäumen gesucht und auch gefunden. Dann haben wir noch Fotos mit seltenen Tieren (Flußregenpfeifer und Sumpfschilödkröte) gemacht, die in der Au leben. Allerdings waren die auf einer Tafel von der Nationalparkverwaltung abgebildet. Persönlich getroffen hab ich leider kein Tier. Oh! Doch! Ein paar Gelsen waren da. So nennen die Österreicher Stechmücken. Aber bei meinem Fell kein wirkliches Problem.

Tja, wer glaubt, dass mein Tag damit schon vorbei war, der irrt. Denn abends hat mich Karin noch zu einem Grillfest der örtlichen Theaterguppe mitgenommen. Zu einem echten Heurigen. Echte Heurige – also nach der Zirkularverordnung von Kaisers Joseph II. von 1784 – gibt es fast nur noch auf dem Land. Die haben keine Gastgewerbekonzession und darum auch weder warmes Essen noch das ganze Jahr über offen. Dafür den jungen, heurigen Wein. Darum heißen sie ja auch so wie der: Heuriger! Und darum ist die Frau Steurer, mit der ich auf einem Foto posiere, auch eigentlich nicht Wirtin sondern Bäuerin.
Nach einem ersten Spritzer (Weißwein mit Sodawasser) habe ich die Weinhalle inspiziert – und am Weg dorthin die Reben geprüft und ein paar Hoftiere getroffen. Waren alle recht freundlich. Mit der Katze hab ich mich gleich super verstanden. Nur der Hase kam mir etwas groß und gefährlich vor. Gut, dass er hinter Gitter war.
In der Weinhalle, da wo die Trauben gepresst und der Wein gelagert wird, standen viele Fässer herum. Vom BF (Blaufränkisch) habe ich aber nicht gekostet, obwohl ich auf dem Foto so angetrunken wirke. Der war noch nicht fertig.
Ich habe mir dann sogar einen Weißweintank von innen ansehen dürfen und den alten Weltempfänger vom Herrn Steurer. Ob ich da überall noch hinkomme, zu den Orten, die da drauf stehen? Das wäre natürlich toll.
Über solchen Gedanken bin ich dann glatt am Tisch eingeschlafen. Diese gepressten Träubchen machen doch irgendwie müde.

Am dritten Tag meines Besuchs stand Kultur auf dem Programm – aber es hat erst wieder mit Natur begonnen. Wir waren nämlich auf Schloss Marchegg, und dort (an der March und ganz nah an der Grenze zur Slowakei) gibt es die größte baumbrütende Storchenkolonie Mitteleuropas. Ich habe mich gleich gut verstanden mit den klappernden Freunden. Kommen ja wie ich aus Afrika.
Aber eigentlich waren wir wegen dem neuen Sommertheater dort. Man gab Macbeth von William Shakespeare; mit lauter tollen Schauspielern und einer burgtheaterwürdigen Inszenierung, wo am Anfang die Hexen aus großen Plastiksackerln (österr. für Tüten) schlüpften. Gruselig!
Das Schloss ist heute großteils von 1640, weil zwischenzeitlich abgebrannt. Das Original – und viele alte Mauern und Tore um den Ort stehen noch – ist eine Wasserbung samt Festungsanlage von 1268; mit fast 60 Hektar die größte befestigte Anlage dieser Zeit überhaupt. Überlegt hat sich die damals Premysl Ottokar II., u. a. Herzog von Österreich. Das ist der von dem die Legende sagt, wie er mal schwer verwundet den Gürtel abgelegt hat, war das blutgetränkte Hemd unter dem ja eng anliegenden Gürtel noch weiß. Darum die österreichische Fahne: Rot-Weiß-Rot. Wie ihr seht, habe ich einiges über die Geschichte Österreichs lernen können!
Das beste war aber die Kulisse vom Stück: das „bewegte Schloss“. Denn auf dem saßen ÜBERALL(!!!) die Störche, putzen sich, flogen während der Aufführung ständig „über die schottischen Highlands“ und klapperten in die Deklamationen hinein. Sehr lustig. Nur nicht für die Schauspieler – denen haben die großen Vögel echt die Show gestohlen. Der Dramaturg hatte das aber irgendwie vorausgesehen und dort, wo im Originalstück die Schwalben auf der Burg Macbeths wohnen, hieß es dann:

„Diese Sommergäste, die Störche,
die auf Schornsteinen nisten,
zeigten durch ihren fleiß´gen Bau,
dass Himmelsatem hier lieblich haucht;
kein Vorsprung, Fries noch Pfeiler,
kein Winkel, wo der Vogel nicht gebaut
sein Bett und Wiege für die Brut.“

Die restliche Zeit meines Aufenthalts bei Karin und Robert habe ich dann damit verbracht, ein bisschen auszuspannen. Und zwei Tage später kam dann auch schon Michael, um die Hunde und mich nach Wien abzuholen.
Vielen Dank Karin und Robert, dass ihr mich bei euch aufgenommen und mir die Zeit bei euch so spannend gestaltet habt!

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Kategorie(n): Ludwig

3 Antworten auf Ludwigs Abenteuer – Folge 54

  1. Hallo Ludwig. Super, das du soviel erlebst. Weiterhin viel Spaß in Österreich. Liebe Grüße Trex und Persephone

    Bruno Wuschel sagt:

    Hallo Ludwig,
    das hast Du ja noch einmal richtig Glück gehabt mit Deiner Zwischenstation in Maria-Ellend und ganz tolle Erlebnisse gehabt. Das riesige, twitterlose Gemach hat sich nachträglich ja nicht als Elend herausgestellt. Für Dich waren es sicher ein paar schöne und erlebnissreiche Tage, auch wenn Deine treuen Twitterfans zunächst nichts davon mitbekommen haben. Doch der interessante und spannende Bericht, sowie die vielen schönen Bilder beseitigen jede Menge Fan-Frust.
    Vielen Lieben Dank auch an den Tourmanager und ein schönes Restwochenende!
    Ganz liebe und sehnsüchtige Grüße
    Bruno

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